Skip to main content

Ordination für Gefässmedizin

Krampfadern verstehen

Schwere Beine am Abend, sichtbar geschlängelte Adern am Unterschenkel – Krampfadern (medizinisch: Varikose) gehören zu den häufigsten Gefäßerkrankungen überhaupt. Etwa jeder dritte Erwachsene ist im Laufe seines Lebens davon betroffen.

Die gute Nachricht: Krampfadern sind heute optimal behandelbar. In diesem Artikel wird verständlich erklärt, was Krampfadern eigentlich sind. Gleichzeitig wird beschrieben, welche Methoden sich im Laufe der langen Geschichte etabliert haben.

Immerhin hat bereits der berühmte griechische Arzt Hippokrates (ca. 400 v. Chr.) erkannt, dass Krampfadern durch den Rückfluss von Blut in die Beine entstehen. Im ersten Jahrhundert nach Christus wurde die erste Entfernung von Krampfadern beschrieben.

Naturgemäß war die Behandlung vor mehr als 2000 Jahren weniger elegant als heute.

Was genau sind Krampfadern?

Unsere Beinvenen transportieren das Blut gegen die Schwerkraft zurück zum Herzen. Damit das gelingt, haben Venen kleine Klappen, die wie Rückschlagventile funktionieren. Schließen diese Klappen nicht mehr richtig, staut sich das Blut in den Beinen. Die Venen weiten sich, werden sichtbar und schlängeln sich unter der Haut – die Krampfader ist entstanden.

Typische Symptome sind schwere, müde oder geschwollene Beine (besonders abends), Spannungsgefühl, nächtliche Wadenkrämpfe und Juckreiz. Wichtig zu wissen: Die Stärke der Beschwerden sagt nichts über die Größe der Krampfadern aus. Auch kleine Veränderungen können Probleme verursachen – und große manchmal lange unbemerkt bleiben.

Für sämtliche Therapieformen ist es wichtig zu verstehen, dass es im Bein zwei Venensysteme gibt. Das oberflächliche System (im Bild rot), welches direkt unter der Haut liegt. Und die tiefen Beinvenen (im Bild blau), die zwischen den Beinmuskeln verlaufen. Die beiden Systeme sind über sogenannte Perforansvenen miteinander verbunden.

Warum man Beinvenen entfernen oder verkleben kann

Würde der gesamte Blutrücktransport aus dem Bein nur über ein System laufen, könnte man keine Therapie durchführen, da der Rücktransport des Blutes aus dem Bein nicht mehr gegeben wäre.

Glücklicherweise transportieren die Hautvenen (im Bild rot) schon beim Gesunden nur einen sehr geringen Anteil der Blutmenge zum Herzen zurück. Bei Krampfadern sinkt die Leistung des Bluttransports der Hautvenen auf unter null! Das Blut fließt in falscher Richtung  "von oben nach unten" ins Bein zurück und verursacht durch den Blutstau die Beschwerden, die bis zum Venengeschwür reichen können.

Wenn man nun gefäßmedizinisch die kaputten Hautvenen entfernt, wird das Blut von der Oberfläche in die Tiefe (über Perforansvenen) umgeleitet. Der Blutstau aus dem Bein ist damit behoben, womit sich auch die Beschwerden bessern oder völlig verschwinden.

Ein positiver Nebeneffekt der Behandlung ist der kosmetische Aspekt. Prinzipiell bleibt aber der medizinische Aspekt, nämlich Hautschäden am Bein zu verhindern, im Vordergrund. Das ist auch der Grund, warum Kassen die Behandlung teilweise übernehmen.

Vereinfachte Darstellung der Beinvenen

Rote Vene = Hautvene. Blaue Venen = tiefe Venen.

Über die Therapieoptionen bei Krampfadern.

Die Behandlung von Krampfadern hat in den letzten zwanzig Jahren große Fortschritte gemacht. Die europäischen und amerikanischen Fachgesellschaften für Gefäßmedizin (ESVS und SVS) empfehlen heute in ihren Leitlinien vor allem die sogenannten endovenösen Verfahren. Dabei wird die kranke Vene über einen dünnen Katheter (einen feinen Schlauch) von innen mit Hitze verschlossen – entweder per Laser oder Radiowellen. Der Eingriff erfolgt meist ambulant und in örtlicher Betäubung.

Die klassische Operation, das sogenannte Stripping (das Herausziehen der kranken Vene), ist deshalb nicht veraltet. Sie bleibt in bestimmten Fällen eine gute und bewährte Option, etwa bei stark geschlängelten Venen. Für einen Standardbefund wird die chirurgische Operation der Venen mit Stripping in der Zwischenzeit aber klar als zweite Wahl angesehen.

Für kleinere Krampfadern und Besenreiser eignet sich die Sklerosierung (Verödung): Dabei wird ein Medikament in die Vene gespritzt, das die Gefäßwand verklebt. Welches Verfahren für Sie am besten passt, hängt von Ihrem individuellen Venenbefund ab. Grundlage jeder Entscheidung sollte eine Ultraschalluntersuchung (Duplexsonografie) sein – sie ist schmerzfrei und zeigt genau, welche Venen betroffen sind.

Für einige  pflanzliche Wirkstoffe, etwa Rosskastanienextrakt, gibt es Hinweise, dass sie Schwellungen und Beschwerden etwas lindern können. Die Datenlage ist hier allerdings begrenzt, und die Studienqualität ist unterschiedlich. Wichtig ist: Solche Präparate können die kranken Venenklappen nicht reparieren. Sie ersetzen also keine Behandlung, sondern können höchstens ergänzend die Symptome mildern.